Neues von der „Dunklen Triade“

Während die sog. „dunkle Triade“, also ein Syndrom aus subklinischem Narzissmus, Machiavellismus und subklinischer Psychopathie schon seit längerem die Aufmerksamkeit von Forschern und Praktikern in Compliance, Unternehmenssicherheit und Personalauswahl als Prädiktor for Risikoverhalten und dolose Neigungen geniesst, fehlte es bislang im deutschsprachigen Raum an einem integrierten und psychometrisch validierten Erfassungsinstrument. Zwar liegen für die Konstrukte je für sich Fragebogenverfahren und diagnostische Instrumente bis hin zur Psychopathy Checklist (PCL) von Hare vor, doch stellten sich den Einsatz häufig arbeitsrechtliche Argumente entgegen, weil jeweils umfassend auch Aspekte des Privatlebens (z.B. Sexualverhalten) Eingang in die Bewertung fanden. In Kürze wird die Testzentrale des Hogrefe-Verlages dazu ein neues Instrument zur Verfügung stellen, dessen jetzt veröffentlichte Beschreibung ihm eine gewisse Aufmerksamkeit sichern sollte!

Das TOP – Dark Triad of Personality at Work-Verfahren „misst daher nur die für das Berufsleben relevanten Aspekte der Dunklen Triade der Persönlichkeit durch explizit berufsbezogen formulierte Items. Nicht in der TOP berücksichtigt wird beispielsweise promiskuitives Sexualverhalten, das Teil des vollständigen theoretischen Psychopathie-Konstrukts ist oder die physische Eitelkeit eines Narzissten. Die Testentwicklung wurde explizit vor dem Hintergrund des beruflichen Kontexts vorgenommen alle Entwicklungs- und Validierungsstudien an Personen mit Berufserfahrung durchgeführt. Validierungsstudien belegen die Zusammenhänge der TOP zu eignungsdiagnostisch relevanten Kriterien. In Akzeptanzuntersuchungen wurde die TOP bezüglich der Wahrung der Privatsphäre und der Augenscheinvalidität besser als gängige, nicht berufsbezogene Triade-Verfahren und ihre Angemessenheit zu Personalauswahlzwecken als höher eingeschätzt“ (Quelle: Hogrefe).

Aber es gibt noch eine weitere Herausforderung bei der Dunklen Triade!

Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie machen einen Vorgesetzten oder Kollegen (die männliche Form ist bewusst gewählt, weil es zumindest beim Machiavellismus Indizien für eine Kovariation genetischer Marker mit dem männlichen Geschlecht gibt) nicht unbedingt sympathischer, aber es kann durchaus Jobkriterien geben, bei denen Aspekte dieser Eigenschaften nicht uninteressant sein mögen. In jedem Fall gibt es so etwas wie tätigkeitsspezifische Risikoadjustierung, also die Dunkle Triade mag mag beim Bäckermeister um die Ecke weniger relevant sein als im Tradingraum einer Investment-Bank, wo man sich ggfls. ein anderes Niveau von Assertiveness, Impact und Risikobereitschaft wünschen mag.

Was also tun, wenn ein Diagnoseergebnis nicht nur für „Ja“ oder „Nein“ im Placement geeignet ist, sondern es darum geht, beim „Es kommt darauf an“ eine differenzierte Abwägung vorzunehmen?

Dazu im Erscheinen begriffen ist jetzt ein spannendes Buch zweier Autoren aus dem Umfeld von Hogan Assessments, eines internationalen Managementdiagnostik-Spezialisten, der mit dem HDS bereits seit langem ein entsprechendes Fragebogenverfahren im Angebot hat. Coaching the dark Side of Personality verspricht eine interessante Lektüre zu werden!

Für die grundlegenden Probleme bei diesem Thema sei im übrigen der nachstehende bereits etwas ältere Beitrag als Ressource empfohlen:

Coaching on the dark Side

Neue Literatur für Compliance und Unternehmenssicherheit: ein Streifzug

Hinreichend weit vor der Frankfurter Buchmesse, aber pünktlich zum Herbstanfang einige Leseempfehlungen im Überschneidungsbereich von Unternehmenssicherheit und Compliance:

  • Bernd-Uwe Stucken / Philipp Senff (Hrsg). (2015). Compliance Management in China. Praxishandbuch für Manager. Freiburg: Haufe. Der Titel sagt schon alles. Nicht billig, aber lesenswert!
  • Maren Richter (2014). Leben im Ausnahmezustand. Terrorismus und Personenschutz in der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt am Main: Campus. Eigentlich ein Zufallsfund, der sich als spannende und einzigartige historische Studie zum Personenschutz in der Zeit der RAF-Bedrohung in der alten Bundesrepublik entpuppt hat.
  • Steve J. Martin, Noah J. Goldstein & Robert B. Cialdini (2015). Überzeugen mit einfachen Kniffen. Göttingen: Hogrefe. Eine Goldgrube für den Nachttisch: erfrischende Tipps für Überzeugung und Einflussnahme – flott geschrieben und durchgängig empirisch abgesichert!
  • Geoff Dean (2014). Neurocognitive risk assessment for the early detection of violent extremist. Heidelberg: Springer. „Harte Kost“, aber ein extrem spannendes Thema. Es lohnt sich, „Geoff Dean“ zu bookmarken, um zu schauen, was aus dieser neurowissenschaftlichen Anwendungsforschung für die Terrorismus-Forschung entstehen wird!
  • Jens Hoffmann (2015). Menschen entschlüsseln. München: MVG. Empfehlenswert – eine gute Übersicht über „Profiling im Alltag“ des bekannten Kriminalpsychologen.
  • Michael Maccoby (2015). Strategic Intelligence. Conceptual Tools for Leading Change. Oxford, UK: Oxford University Press. Gutes Change Management-Buch, dem auch Compliance- und Security-Praktiker in der Prohjektumsetzung etwas abgewinnen werden!

Zukunftsperspektiven im Compliance Management

Der aktuelle Titel von Oliver Graf (Geschäftsführer der Proteus Secur Consulting & Solutions GmbH in München) und Dr. Pantaleon Fassbender liegt jetzt als Kindle-eBuch vor: „Die vorliegende Studie beschäftigt sich auf der Basis einer Reihe von ausführlichen qualitativen Interviews mit Vertretern des Compliance Managements international tätiger Großunternehmen und einer international tätigen Unternehmensberatung mit aktuellen Herausforderungen und Perspektiven des Compliance Managements. Neben dem Versuch einer Typologie von Compliance-Organisationen auf der Basis der geführten Interviews, die den Kriterienkatalog der Analyse von Wulf (2011) zugrunde legt, haben wir uns vor allem mit den mentalen Modellen beschäftigt, die die Befragten mit Blick auf unterschiedliche Aspekte von Compliance (und Ethik) im Unternehmen formulieren.

Zentrale Ergebnisse der Studie unterstreichen einerseits einen hohen Reifegrad des Compliance-Managements, das eine Vielzahl von Andockpunkten für die Förderung und Weiterentwicklung einer ethisch-integrierten Unternehmenssteuerung zur Bekämpfung und Vermeidung doloser Handlungen zu liefern vermag. Andererseits sind noch erhebliche Umsetzungspotentiale für ein modernes Integritätsmanagement zu erschließen, wenn Unternehmen noch stärker dazu übergehen würden, Compliance nicht nur als Funktion, sondern auch als Haltung und vor allem als vernetzte Aufgabe aller Anspruchsgruppen im Unternehmen zu betrachten. Dies wiederum wird ohne die Berücksichtigung, kommunikativer, ethischer und organisationspsychologischer Aspekte nicht gelingen.“ (Zusammenfassung)

Top Ten Ethics & Compliance Predictions and Recommendations for 2015 by Navex Global – what’s in it for (continental) Europe?

Recently, Ed Petry has published Navex Global’s predictions regarding trends in Compliance Management for 2015.

So, what is on their top-10-list?

  1. Increasing pressure to maximize the ROI of ethics and compliance
  2. Dealing with conflicting legal requirements: guns, drugs and marriage in the USA
  3. Culture (still) trumps compliance
  4. Maybe one size does fit all: Moving toward a uniform, global model for compliance
  5. Regulatory enforcement moves down market
  6. Gender diversity—are quotas the answer?
  7. Crime and punishment: Chief Compliance Officers who fail, get targeted by law enforcement, as cases in UK and the U.S. do demonstrate
  8. Key trends from the U.S. Dodd-Frank Whistleblowing Program annual report
  9. Technology-enabled ethics and compliance is ready for takeoff
  10. Cybersecurity: A risk that needs to be on your ethics and compliance to-do list

While this selection might be somewhat skewed towards an anglo-american perspective on compliance management (e.g., the strong focus on any kind of compliance-ROI), at least 6 of the identified trends  ring a bell in continental-european, especially German ears as well!

They coincidend quite nicely with findings from the recent trend study bei Proteus Secur Compliance and Solutions GmbH based on in-depth-interviews with a sample of German CCO’s (mostly DAX-based).

These interview-partners describe a growing importance of cybersecurity issues, they see – quite obvious when focussing on current German policy discussions – regulatory issues that tend to drive „a one size fits all“-approach as well as gender-discussions.

And, yes, there is no way for midsized and smaller companies to avoid embracing compliance and integrity. Who still thinks, his (mostly) or her firm can do without it, will pay dearly. This is – by and large – no  more a prediction, but a fact.

Alas, although sharing a view that these topics might be relevant, there is still some dissent that technology or unified processes might be all the answers. Culture very often is the root cause for  many compliance-dysfunctionalities. It is also an essential part of any answer to overcome the more complex forms of resistance to integrity and compliance management.

In intercultural terms, it seems to be quite interesting to notice, how much leeway we allow for individual dilemma management and integrity leadership vs. process-driven solutions: in the end both perspectices are neccessary – whatever will be the real trends for 2015.

In about a year we will know better …

Compliance als Haltung

Der Fachbeitrag über erste Ergebnisse der PROTEUS SECUR-Studie zu Status und Zukunftsperspektiven im Compliance Management von Oliver Graf (Geschäftsführer PROTEUS SECUR Consulting & Solutions GmbH, München) und Dr. Pantaleon Fassbender in der Security Insight ist gerade erschienen:

“Kriminelle agieren international und flexibel. Geht die Auseinandersetzung zwischen ihnen und der Prävention im Unternehmen also aus, wie das berühmte Rennen zwischen Hase und Igel? Unsere beiden Autoren haben bei den Verantwortlichen für Compliance und Unternehmenssicherheit unter anderem in einigen DAX-Unternehmen nachgefragt. Wo geht die Reise hin im Compliance Management?” (Quelle: Zusammenfassung)

Nachstehend der Beitrag im Original: Compliance als Haltung (Quelle: “Compliance als Haltung statt Funktion” auf Seite 64-65 in der Ausgabe 5/2014 der Security Insight)