Pre-Employment-Screening: eine psychologische Perspektive

Umfassende Backgroundanalysen zur Vorbereitung der Besetzung sicherheitssensibler Positionen sind häufig teuer, aber – insbesondere, wenn es um Personal aus Länderns geht, für das die Überprüfung von Angaben schwierig ist – für den Kunden in ihrer Qualität oft schwer einzuschätzen. Dazu kommt, daß prinzipiell wirksame Verfahren z.T. in Deutschland arbeitsrechtlich kritisch, ohne Akzeptanz oder mit erheblichen Kosten verbunden sind (etwa wenn die Zielperson für den Polygraph-Test zum entsprechenden Institut in Israel oder den USA ein-/ausgeflogen werden muß).
Pre-Employment-Screening aus psychologischer Sicht stellt in diesem Zusammenhang möglicherweise keine umfassende Alternative, in jedem Fall aber eine rechtssichere Ergänzung für die Personalauswahl-Entscheidung dar!
Wier sieht das entsprechende mehrdimensionale Vorgehen aus?
  1. IBES: das „Inventar berufsbezogener Einstellungen und Selbsteinschätzungen“ (IBES) ist ein Selbstberichts-Verfahren, das aus 115 Items in neun Subskalen besteht, die sich teils der einstellungs-, teils der eigenschaftsorientierten Variante von Integritätstests zuordnen lassen. Zum ersten Teil gehören die Fassetten Vertrauen, Verbreitung unerwünschten Verhaltens, Nicht-Rationalisierung und Verhaltens-absichten, zum zweiten Teil Gelassenheit / Selbstwertgefühl, Zuverlässigkeit/Voraussicht, Vorsicht, Zurückhaltung und Konfliktmeidung. Durchführungsdauer: 30 Minuten. Der Bewerber erhält einen Link zur Onlinebearbeitung des Fragebogens.
  2. Interview: im biographischen Interview wird der Lebenslauf des Bewerbers strukturiert erfasst. Die handschriftlichen Elemente dienen nicht der graphologischen Analyse, sondern werden stilistisch mit Blick auf Marker von Persönlichkeitseigenschaften inhaltsanalytisch ausgewertet. Durchführungsdauer: ca. 90 -120 Minuten.
  3. Werte-Navigator: ein offenes Karten-basiertes Instrument, um Werte und Prioritäten abbilden zu können.
  4. OKPB: der sog. „Objektivierte Klinische Persönlichkeits-Befund“ (OKPB) ermöglicht es, einen Eindruck von der Persönlichkeit eines Befragten strukturiert zu objektivieren. Es geht um die Erhebung eines Fremdbildes, wie sich Gesprächspartner in einer Befragungssituation präsentiert haben. Die Auswertung beinhaltet Aussagen zu Indikatoren für Persönlichkeitsstörungen und Hinweise auf Dispositionen, die Suchtverhalten oder antisoziale Persönlichkeitsaspekte indizieren. Durchführungsdauer: ca. 20 Minuten je Durchführung. Die OKPB-Checkliste wird von allen am Interview Beteiligten bearbeitet. Ihr Einsatz bedarf einer besonderen Beobachterschulung.
Auf der Basis der Kombination der unterschiedlichen Elemente kann eine belastbare und transparente Expertise für die Personalauswahl erstellt werden.
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